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  • Julia

Ein Fotoshooting bei uns zu Hause?!

Aktualisiert: Mai 10

...dafür ist es nie aufgeräumt genug


Solche und ähnliche Argumente höre ich häufig. Fällt in die gleiche Kategorie wie - ich steh' nicht gern vor der Kamera.

Ich bin unwahrscheinlich glücklich, dass ausgerechnet Ruth und Ihre Familie mir Bilder zur Veröffentlichung freigegeben hat. Warum? Weil jede minimalistische Instamama mit drei Marie Kondo Büchern im Schrank höchstwahrscheinlich Schnappatmung bekäme, wäre Sie bei Ruth eingeladen.


Als ich vor ca. zwei Wochen bei Ruth ankomme, tauche ich bereits am Eingang in ihre kreative, wilde Welt ein. Auf der Treppe begrüßen mich Tierschädel - ja, richtig gelesen - und weiteres Sammelsurium aus dem Wald. Später erzählt sie mir ohne mit der Wimper zu zucken, dass sie öfter mal tote Tiere im Wald findet die sie dann im Garten vergräbt, um sie Wochen später - von Insekten bearbeitet - wieder auszugraben





"Ich hab mir schon immer gewünscht, dass mal ein Fuchsschädel dabei ist!"





In der Wohnung geht es ähnlich ausgeflippt weiter. Aber um ehrlich zu sein, fällt mir das erst mal gar nicht so auf. Was mir mir stattdessen auffällt, ist die unwahrscheinlich entpannte Atmosphäre! Die Großeltern sind da, zwei Kinder und irgendwo dazwischen auch Erna, die kleine Hündin. Ich halte mich einfach mal im Hintergrund und packe meine Sachen aus. Die Gespräche, die ich nebenbei mithöre sind unwahrscheinlich liebevoll und ruhig.




Als Ruths Eltern gehen, ist auch die Verabschiedung ungewöhlich innig. Ich merke - das ist alles echt. Hier versucht mir niemand das Bild der heilen Familie fürs Foto vorzuspielen und ich weiß - das hier wird gut.


Warum? Weil Ruth mich genau das tun lassen wird, was ich möchte: ECHTE Bilder machen. Realität festhalten.

Woran erinnern sich Kinder, wenn sie an ihr erstes Zuhause denken? An den Geruch, an die Krümel auf dem Sofa, auf dem Mama vorliest. Die Musik im Hintergrund, die Fenster voller Fingerabdrücke, die kleinen Schätze aus dem Wald. Den Papproboter, der Wochenlang im Wohnzimmer stand. Den Staub auf dem Plattenspieler, in den man so gut mit dem Finger malen kann....


Der Morgen bei Ruth ist auch für mich unwahrscheinlich angenehm. Ruth und ihr Mann übertragen ihre entspannte Grundhaltung auf die Kinder. Der Sonntag ist nicht nur heute für die Familie reserviert. Die Kinder bestimmen was gespielt wird. Und genau das dokumentiere ich an diesem Tag. Einen ganz normalen Sonntag, so wie er der Familie wahscheinlich auch in 20 Jahren noch in Erinnerung sein wird.



Jedes Zuhause ist geeignet für eine solche Reportage. Ich komme nicht zu euch, um für ein Interiormagazin zu shooten, sondern um euer liebevolles Zusammensein festzuhalten. Die kleinen Gesten und Blicke, die Umarmungen, das Lachen, das Weinen, die Kaffeeränder auf dem Küchentisch.


Auch ich nehme aus jeder Familie ein Gefühl mit. Es ist so schön die unterschiedlichen Dynamiken in verschiedenen Familien zu sehen und ich habe selten Eltern erlebt, die so auf Augenhöhe mit ihren Kindern kommunizieren.

Danke, liebe Ruth, dass ihr mich eingeladen habt und mir gezeigt habt, dass ich meine Kinder pro Tag mindestens drei mal weniger zum Aufräumen auffordern sollte.



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©2019 Julia Poyant